Pfadfinder

Stillstand ist nutzlos. Es gibt eines oder das andere, entweder Fortschritt oder Nachlassen. Wir wählen den Fortschritt - und mit einem Lächeln im Gesicht

Gedanken zum Coronavirus

„Bleibet hier und wachet mit mir, wachet und betet!“ Ein oft gesungenes Taizé-Lied; sicher auch bei so mancher Pfadfinder-Andacht, am Lagerfeuer oder in der traditionellen Gründonnerstagsbetstunde. Biblisch ordnet sich der zitierte Text auch genau am Gründonnerstag ein. Jesus ist traurig und ängstlich im Garten Gethsemane; er weiß um seinen bevorstehenden Tod und bittet seine Jünger „Bleibt hier und wacht mit mir.“ Die Jünger können dem Anspruch aber nicht gerecht werden; sie schlafen gleich dreimal ein.

Wie wäre es, wenn wir als Jünger, wir als Kirche, wir als Pfadfinder im Hier und Jetzt die Möglichkeit bekämen, dieses enttäuschte Vertrauen auszugleichen. Geduldig dabei zu bleiben und betend auszuhalten. Könnte das nicht das Gebot der Stunde in der jetzigen weltweiten Pandemie sein?

Stand 26.4.2020 sind oder waren fast 3 Millionen Menschen an Covid-19 erkrankt; 205.000 Todesfälle; fast 6000 davon in Deutschland. Täglich sterben in Spanien 800 Menschen; auch Italien, New York und Großbritannien sind schwer von der Pandemie betroffen; Afrika, Indien und Südamerika warten noch auf den großen epidemischen Tsunami.

Nur einige beängstigende Fakten zur weltweiten Lage. Darüber hinaus scheint unsere globalisierte, ausdifferenzierte, schnelle Welt still zu stehen. Lock-down.

Manch einem hier in Deutschland wird das - mehr oder weniger nachvollziehbar – zu viel: „So schlimm ist das doch alles nicht. Als junger Mensch kann ich doch nicht schwer an Corona erkranken. Wir müssen auch die Wirtschaft, die Kinder und die Kultur im Blick haben. Gesundheitsdiktatur.“

Auch die katholische Kirche macht Druck. Schnell müssen die Kirchen wieder zur Eucharistie geöffnet werden; liturgische Vollzüge als Quelle und Höhepunkt müssen schnell wieder gewährleistet sein. Da nimmt man auch, wie etwa im Erfurter Öffnungskonzept, Ordner vor den Gotteshäusern, Mundschutz, Singverbot und Kommunionausteilung mit Desinfektion und Zange in Kauf. „Betreten auf eigene Gefahr!“

Wieder einmal gibt es Kräfte in der Kirche, die ihre Partikularinteressen durchsetzen wollen und Ressourcen an Binnenfragen aufreiben.

Dabei ist sie doch an uns alle gerichtet, Jesu Bitte - an die Konservativen und die Reformer, die Kreativen und die Zurückhaltenden, Männer und Frauen, Jung und Alt. „Bleibet hier und wachet mit mir, wachet und betet.“

An keiner anderen Stelle in der Bibel ist Jesus uns so nah, wie im Garten Gethsemane. Auch er – der wundertuende Sohn Gottes – hat Angst. Auch er ist einsam und allein; er weiß was Verzweiflung ist und kennt den Zweifel. Genau in diesem Garten steht Jesus an meiner und an deiner Seite; wenn wir allein sind, wenn wir Zweifel haben und wenn uns die Angst, die Ungewissheit und die Ungeduld zerfrisst. Er teilt die Nacht mit uns, unsere Dunkelheiten und so wird er uns schon weit vor der Auferstehung zum Licht.

Und in diesem Wissen lasst es uns doch wagen: „Bleibet hier und wachet mit mir, wachet und betet.“

Seien wir doch ein kirchlicher Verband, der Druck aus dem System nimmt; bleiben wir geduldig und verzichten auf unsere Eigeninteressen. Für Pfingstfahrten, Postenläufe und große Lager wird wieder die Zeit kommen. Und auch eine Zeit zum erholsamen und sorgenfreien Schlafen wird es wieder geben. Jetzt aber wollen wir kreativ in der Begrenzung sein. Nutzen wir die modernen Techniken und Medien und bleiben so auch von daheim aus in Verbindung. Sitzungen, Absprachen, Singen, Lachen, Austausch, Feierabendbier und sogar Gebet und Gottesdienst sind auch auf Distanz möglich; wie wir lebendig bei den Online-Gottesdiensten des BDKJ oder beim virtuellen Jahresempfang „Oiwei Dahoam“ erfahren konnten.

Als Pfadfinder gehen wir mit wachen Augen durch die Welt. Schauen wir doch auf diejenigen, denen Corona auf die ein oder andere Weise schon sehr nahe gekommen ist in unserem eigenen Umfeld, in unserer Diözese; auf diejenigen deren wirtschaftliche oder familiäre Existenz bedroht ist. Und auch auf diejenigen die, die Öffentlichkeit scheinbar ganz aus dem Blick verloren hat; zum Beispiel auf die, die stumm leiden in den Flüchtlingslagern an der griechischen Grenze.

Bleiben und Wachen, darum wird es auch in den nächsten Wochen und Monaten gehen. Virologen und Epidemiologen- die, die sich wissenschaftlich schon lange mit derartigen Viren und pandemischen Ereignissen beschäftigen – mahnen zur Geduld, vor einer zweiten Welle und vielen Todesfällen.

Darum lasst uns im Respekt vor dem menschlichen Leben und der Freiheit des je Anderen ruhig bleiben, daheimbleiben, wo immer es uns beruflich und familiär möglich ist.

Konkret versuchen wir dieses Gebot der Stunde auf Diözesanebene umzusetzen, indem wir uns vorgegeben haben bis zum 14. Juni im Home-Office zu arbeiten. Dabei sind wir gut vernetzt in täglichen Bürogesprächen, fortlaufenden Gremiensitzung und AK-Treffen via Videokonferenz. Außerdem versuchen wir kreativ mit der Bewegungseinschränkung umzugehen und weiten unsere virtuellen Räume, indem wir unsere Website relounchen, uns virtuell zum Weekly Check-Out treffen und verstärkt soziale Medien, wie Instagram nutzen.

Nach außen wollen wir wachsam bleiben in der Beobachtung der politischen Lage und schauen wir gut hin, wo soziales Engagement von Pfadfindern geboten und sinnvoll ist. Intergenerationelle und globale Solidarität können uns dabei leitende Prinzipien sein.

Einen kleinen Beitrag zum gegenseitigen Gesundheitsschutz werden wir durch unseren „Oiwei Parat“ Mund-Nase-Schutz leisten.

Kinder und Jugendlichen gilt weiterhin unsere besondere Sorge. In diesem Bereich versuchen wir durch die Website „Scouting never stops“, durch virtuelle Gruppenstunden und liebevoll erdachte Einzelprojekte, Akzente zu setzten. …und natürlich, sind wir auch jederzeit ansprechbar, wenn es Schwierigkeiten in den Stämmen, Gruppen und Familien gibt!

Und vielleicht gelingt es uns ja, es etwas besser zu machen als die Jünger vor 2000 Jahren! Hören wir auch Jesu andere Bitte. Er hat uns am Gründonnerstag nicht nur die Eucharistie geschenkt, um mit ihm in Verbindung zu bleiben. „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“

Eindringlich steht daneben auch „Bleibet hier und wachet mit mir, wachet und betet!“ Und soll lasst uns wachsam sein und geduldig dabeibleiben und betend an einer neuen „lebenswerten Stadt“ (Kirchenbild der DPSG) während und nach der Pandemie mitbauen! Genug Übung im Durchwachen von Nächten hätten wir ja :->!

Gruß und Gut Pfad!

Andreas und Anja

Hoch